Archiv für Oktober 2008
Südtirols 5. Jahreszeit – Törggelezeit
…wenn die Tage kürzer werden, der Herbst die Landschaft in eine bunte Farbenpracht verzaubert und die Apfel- und Traubenernte sich so langsam dem Ende neigt, beginnt in Südtirol die Törggelezeit.
Mit “Torkeln” hat das “Törggelen” ursprünglich nichts zu tun – auch wenn es manchmal so scheinen mag! Der aus dem Südtiroler Volksmund hervorgegangene Begriff “Torggl” bezeichnet die hölzerne Traubenpresse, was wiederum vom Lateinischen “torculum” abgeleitet wurde. Der von Mitte Oktober bis Ende November stattfindende Südtiroler Brauch trägt seinen Namen also nach dem früheren Ort seines Geschehens, heute wird die gemütlichere Stube dafür genutzt.
Seinen Beginn hatte der Brauch wahrscheinlich im Eisacktal, einem der Haupttäler Südtirols. Da die Bauern im Tal meist nur Weinberge besaßen und keine Weiden, überlegten sie sich einen Tauschhandel: Sie wollten den Bauern aus den oberen Lagen Südtirols ein paar Kühe mit
auf deren Weiden geben, sie sozusagen kostenlos bei ihnen einmieten, und damit die Bauern vom Berg sich wohlwollend zeigten, revanchierten sie sich mit einer ausgiebigen Weinprobe und einigen Leckereien. Einige Tage, bevor man den Bauer von oben erwartete, wurde geschlachtet. Daraus stellte man Surfleisch, Rippelen, Speck und Kaminwurz her. Dazu wurden Kraut und Knödel gereicht. Als Vorspeise bereitete die Bäuerin “Schlutzer”, Kasnocken, Spinatknödel und “Gerstsupp”. Nach der langen Wanderung war der Bauer vom Berg natürlich auch durstig und so servierte man ihm voller Stolz den “Nuien”(jungen, halb gegorenen Wein) und den “Susen” (süßen Traubenmost). Geröstete Kastanien, “Keschtn”genannt, Bauernkrapfen, Striezeln, Strauben und Tirtlen bildeten den krönenden Abschluss des Mahls. Eingeladen wurden auch alle Arbeiter und Hilfskräfte, die bei der Ernte dabei waren, um ihnen auf diese Weise zu danken.






